Interview zur Rolle der Ausbildung bei Viega

"Die Ausbildung spielt bei uns eine zentrale Rolle."

„Für ein starkes Miteinander“ so betitelt der Installationstechnikproduzent Viega GmbH & Co. KG  die Benefits für die Belegschaft. Seit 125 Jahren ist das familiengeführte Unternehmen erfolgreich am Markt. Am Thüringer Standort in Großheringen arbeiten sogar mehr Personen, als die Gemeinde Einwohnerinnen und Einwohner hat. 48 von ihnen sind Auszubildende – zum Ausbildungsbeginn dieses Jahres sollen nochmals 20 bis 25 dazukommen.  

Chris Beck arbeitet bereits seit 24 Jahren bei Viega, wo er selbst seine Ausbildung absolviert hat. Nach einer berufsbegleitenden Weiterbildung ist er nun seit über 12 Jahren Ausbildungsverantwortlicher am Thüringer Standort und Leiter der dortigen Ausbildungswerkstatt. Welchen großen Wert die Ausbildung für den Standort und das gesamte Unternehmen hat, hat er uns im Interview verraten. 
 

Redaktion: Was hat Sie dazu bewogen, selbst Ausbilder zu werden?  

Chris Beck: Ich bin sozusagen während meiner eigenen Ausbildung schon in der Ausbildungswerkstatt groß geworden. Damals wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, perspektivisch in der Ausbildungswerkstatt aktiv zu werden. Die Besonderheit hier ist, dass es keine reine Lehrwerkstatt ist, sondern wir fertigen Teile, die dann in den Produktionsbereichen auch wirklich wieder zum Einsatz kommen. Das ist uns auch sehr wichtig, denn es gibt nichts Demotivierendes, als wenn die Azubis die ganze Woche an etwas arbeiten, das am Freitagnachmittag in die Schrottkiste kommt. Und so bin ich langsam in die Ausbilderrolle hineingewachsen.  

Redaktion: Was bedeutet es Ihnen, selbst Ausbildungsverantwortlicher zu sein? 

Beck: Es ist ein absoluter Traumjob. Wenn man tagtäglich mit jungen Menschen arbeitet, hält das jung und fit im Kopf. Außerdem haben wir eine soziale Verantwortung der Region gegenüber. Wir haben jährlich 80 junge Menschen zur Berufsorientierung hier, beim Girls´- and Boys´-Day oder für klassische Schülerpraktika.  

Redaktion: Welche Rolle nimmt die Ausbildung in Ihrem Unternehmen ein und welchen Wert hat sie? 

Beck: Eine elementare Rolle, der Stellenwert der Berufsausbildung ist bei uns sehr hoch. Das sieht man auch an der Ausstattung unserer Ausbildungswerkstatt. Sie ist so etwas wie ein Leuchtturm in der Region. Wir bilden bereits sehr lange aus, haben dieses Jahr 30 Jahre Berufsausbildung hier am Standort in Großheringen. Und nächstes Jahr werden wir den 400. Azubi einstellen. Wir haben eine Übernahmequote von über 90 Prozent. Somit ist die duale Berufsausbildung für uns ein elementarer Baustein, um den Fachkräftenachwuchs in Thüringen zu sichern.  

Redaktion: Wie sieht es mit der praktischen Ausbildung bei Ihnen aus? Und wie spiegelt sich der Wert der Ausbildung in der Belegschaft wider? 

Beck: Wir haben hier nicht nur unsere Ausbildungswerkstatt mit einem kompetenten Ausbildungsteam. Das ist ja nur ein Teil. Die andere Hälfte findet bei uns im Dreischichtsystem in den unterschiedlichsten Produktionsbereichen statt. Und auch dort brauchen wir engagierte Leute, die die Azubis an die Hand nehmen. Deswegen haben wir vor eineinhalb Jahren eine Umfrage gestartet und eine überwältigende Rückmeldung bekommen. Mehr als 60 Personen haben gesagt, sie hätten Lust darauf, selbst in der Ausbildung aktiv zu werden. Daraufhin haben wir ein Pilotprojekt mit der IHK gestartet und Mitarbeitende, die sich für die Ausbildung engagieren wollen, hier im Unternehmen qualifiziert. Das soll nicht nur die Qualität der Ausbildung an unserem Standort verbessern, sondern wir wollen auch die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern qualitativ besser gestalten. So möchten wir beispielsweise auch Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund besser integrieren. Im Rahmen einer weiteren Kooperation mit der IHK Erfurt bieten wir Leistungsträgern die Möglichkeit, eine Weiterbildung zum Industriemeister zu absolvieren – hier bei uns im Unternehmen. Die Kosten tragen wir und ein Teil der Qualifizierung findet während der Arbeitszeit statt. Das kommt super an und bietet eine schöne Perspektive. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmenden sind ehemalige Azubis von uns.  

Ein anderes Projekt liegt mir aktuell besonders am Herzen. Derzeit macht das engagierte Ausbildungsteam einen Spagat zwischen „Ich muss meinen Produktionsbetrieb am Laufen halten“ und „Ich will mich auch um die Azubis kümmern“. Dieses Problem soll künftig aufgelöst und die Mitarbeitenden freigestellt werden, damit sie sich vollumfänglich um das Thema Ausbildung kümmern können. Das ist ein starkes Zeichen – wir reden hier über 20, 30, 40 Angestellte. 

Redaktion: Gibt es einen Auszubildenden oder eine Situation, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?  

Beck: Da gibt es ganz viele. Zum einen engagieren wir uns seit vielen Jahren im Bereich Berufsmeisterschaften. So wie es Meisterschaften in verschiedenen Sportarten gibt, gibt es das auch in der Berufsausbildung. Wir waren in den vergangenen Jahren in den Bereichen Industriemechanik und Polymechanik dabei. 2012 war die Weltmeisterschaft der Berufe im eigenen Land – in Leipzig. Da ist ein ehemaliger Azubi von uns – er war inzwischen Jungfacharbeiter – Vizeweltmeister geworden. Er ist auch bei mir im Bereich geblieben und ist inzwischen selbst Ausbilder und gibt seine Erfahrungen an die nächsten Generationen weiter. Was mich auch sehr stolz macht ist ein anderer ehemaliger Azubi, der hier im Werk Karriere gemacht hat. Vom Auszubildenden zum stellvertretenden Werkleiter. Solche Beispiele freuen mich dann natürlich besonders.  

Redaktion: Gibt es auch überfachliche Kompetenzen, die Sie Ihren Auszubildenden mitgeben?  

Beck: Ja, als erstes gibt es da natürlich die Unternehmenswerte. Unsere Auszubildenden sind ja unsere jüngsten und unvoreingenommensten Mitarbeiter, die ins Unternehmen eintreten. Sie sind damit unser Ansprechpartner Nummer eins, wenn es um die Vermittlung von Unternehmenswerten geht. Zum zweiten haben wir viele übergreifende Veranstaltungen in allen Ausbildungsjahren. Zum Beispiel haben wir Seminartage, an denen alle Auszubildenden eines Lehrjahres von allen deutschlandweiten Standorten zusammenkommen. Es geht dabei um Persönlichkeitsentwicklung, Methodik, Didaktik, da werden die unterschiedlichsten Inhalte vermittelt.  

Redaktion: Worin liegt Ihrer Meinung nach der Vorteil einer dualen Berufsausbildung? 

Beck: Das ist eine sehr interessante Frage. Aus eigener Erfahrung und dem Feedback, das ich von unseren Azubis habe, ist es ein Vorteil, wenn man eine Berufsausbildung absolviert und sich anschließend weiter qualifiziert. Bei uns gibt es da beispielsweise auch ein Stipendienprogramm. Man ist nach einer Ausbildung zum Beispiel für ein Studium viel besser vorbereitet, weil man die Praxis schon kennt. Wir werben auch gern mit den Bildungspfaden unserer ehemaligen Azubis. Wir haben kürzlich eine interne Auswertung gemacht, die ergeben hat, dass mehr als 30 unserer ausgelernten Azubis inzwischen in einer Führungsposition sind.  

Redaktion: Ist es für Sie einfach, Azubis zu finden?  

Beck: Einfach ist es auf gar keinen Fall. Vor zwei, drei Jahren haben wir festgestellt, dass wir so ein starkes zukünftiges Wachstum hier am Standort haben, dass wir nicht allein mit dem Mitarbeiter-Recruiting abdecken können. Sondern wir müssen auch die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen. Genauer gesagt, haben wir unsere Ausbildungskapazität verdoppelt. Wir sind jetzt bei etwa 20 Azubis angekommen und wollen das nochmal steigern, um 30 Auszubildende pro Jahr zu haben. Wir sind auf einem richtig guten Weg, arbeiten mit über zwanzig Schulen überregional zusammen und haben teilweise enge Kooperationsvereinbarungen mit den Regelschulen. Wir machen sehr viel in allen Bereichen. 

 

 

Chris Beck - Ausbildungsleiter bei Viega

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